Schauen Sie vom 51. Stockwerk hinab auf das neue Bahnhofsgebäude Nagoya
und die Shinkansen Bahngleise, die sich ostwärts nach Tokio und westwärts
nach Osaka schlängeln. Der einzige Hinweis auf das ältere Japan ist
die nach dem Weltkrieg entstandene Rekonstruktion der Burg Nagoya, die sich ganz
weit unten abrupt aus dem sich unregelmäßig ausbreitenden Stadtgebiet
erhebt. Nach der Einebnung durch die Bombardierung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg
hat Nagoya sich inzwischen zur viertgrößten Stadt Japans entwickelt
und ist, wirtschaftlich gesehen, eine der wichtigsten Städte geworden.
Rückblickend ist der Bezirk Nagoya bekannt als Geburtsort von Oda Nobunaga,
Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasuder, den drei wichtigsten historischen Persönlichkeiten
Japans. Diese drei Männer trugen zur Vereinigung Japans zu Beginn des 17.
Jahrhunderts bei.
Die Tokugawa Familie regierte Japan 250 Jahre lang und hinterließ der
Stadt eine riesige und vielfältige Sammlung an Schätzen. Über zehntausend
Werke werden heute im Tokugawa Kunstmuseum ausgestellt – genug, um auch
die größten Japan-Fans zufrieden zu stellen. Wenn Sie erst einmal in
die Geschichte von Tokugawa eingetaucht sind und die Burg besichtigt haben, sollten
Sie als Nächstes Atsuta Jinja besuchen. Dies ist ein von Geschichte durchdrungener
Schrein, der großzügig inmitten ehrwürdiger Bäume angelegt
ist. Besuchen Sie diesen Ort, um Ruhe vor der Hektik der Stadt zu finden.
Das Unternehmen des Autoherstellers Toyota wurde ebenfalls in der Präfektur
Aichi gegründet und das Toyota Commemorative Museum of Industry and Technology
(Toyota-Gedenkmuseum für Industrie und Technologie) ist eine amüsante
Ergänzung der Touristenszene von Nagoya. In der Ausstellung werden unter
anderem große Webmaschinen aus dem frühen 20. Jahrhundert gezeigt und
bedrohliche Fließbandroboter, die aussehen wie die Figuren aus einem Science-Fiction-Film.
Friedlichere Kunstwerke findet man im etwa eine Stunde vom Nagoya Bahnhof entfernten
Seto, eine der sechs wichtigsten Töpferstädte Japans. Viele seiner Brennöfen
können besichtigt werden, und es lohnt sich, im Touristeninformationszentrum
von Nagoya Eintrittskarten im Voraus zu buchen. Auf diese Weise können Sie
versuchen, selbst ein paar Setomono zu fertigen, selbstverständlich unter
kompetenter Anleitung, und zusehen, wie es die Profis machen.
Im Norden von Nagoya liegt Inuyama, die Heimat Japans ältester Festung,
die sich bis ins Jahr 1440 zurückdatieren lässt, und Uraku-en, ein Moosgarten,
der einem sehr renommierten Teehaus eine erholsame Umgebung bietet. Eine kurze
Busreise entfernt liegt Meiji-mura, eine Stadt mit Gebäuden, die in der Meiji-Ära
(1868-1912) entstanden, eine Zeit, da Japan eifrig all das übernahm, was
aus der westlichen Welt kam. In dieser Phase wurde auch die von Frank Lloyd Wright
entworfene Lobby des Imperial Hotel in Tokio gebaut, ebenso wie eine Reihe anderer
Originalbauten. Alle wurden zum Zwecke der Errichtung eines Freilichtmuseums dort
hingebracht und wieder aufgebaut.
Ein wesentlicher Teil der Reise nach Inuyama ist ein Ukai-Abend. Ukai ist die
alte Kunst des Kormoranfischfangs. Buchen Sie eine Entdeckungsfahrt und fahren
Sie mit einem überdachten Boot den Fluss hinauf. Sehen Sie sich anschließend
an, wie die Fischerleute ihre trainierten Vögel einsetzen, manchmal 12 gleichzeitig,
um den silbernen Ayu (Süßwasserfisch) zu fangen. - Ein Brauchtum, das
seit etwa 1.300 Jahren unverändert überliefert wurde, und ein Schauspiel,
das man sich nicht entgehen lassen sollte. |